Kinder am PC

 

Kinder am PC, ist das nicht übertrieben früh, ja vielleicht sogar entwicklungshemmend für Fein- und Grobmotorik, für soziales Lernen? Sind die Kid's nicht damit völlig überfordert?

Zugegeben, trotz meiner Firma hatte ich die gleichen Bedenken, obwohl ich schon gehört hatte, dass die Arbeit am PC sich konzentrationsfördernd und anregend bei HKS-Kindern (hyperaktiv) ausgewirkt hat. Andererseits verstand ich meine Tochter: ständig sah sie einen von uns am PC sitzen und durfte selber nicht, weil mir dies bei einem Firmen-Computer doch zu riskant war. So bekam sie zu ihrem 5. Geburtstag einen eigenen Multimedia-PC. Inzwischen bedauere ich es, dass ich so lange gewartet hatte.

Vorab: es muss weder ein eigener noch ein Multimedia-PC sein, denn die beiden beliebtesten Programme sind das Paintbrush und das WordPad von Windows. Für Kidware ist ein Multimedia allerdings unumgänglich.

Zunächst einiges zur Beruhigung der Elternängste:
Wenn Sie akzeptieren, dass Ihr Kind anfangs mit dem neuen Spielzeug übertreibt (wie bei jedem neuen Spielzeug), dann wird der PC später auch wie jedes andere Spielzeug behandelt - es ist nur eines von vielen! Dann müssen Sie aber auch akzeptieren, dass dieses nun wirklich teure "Spielzeug" einige Tage nicht angefasst wird. Wenn Ihnen die Zeitspanne zu lange dauert, dann liegt dies vielleicht daran, dass die vorhandenen Programme keinen Anreiz mehr bedeuten - zumindest zunächst. Sinnvolle Software muss übrigens nicht teurer als ein sinnvolles Kinderbuch sein. Der PC selbst ist das einzig teure an dem "Spaß".

PC-süchtig? Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen: Kinder, die unbeschwert an den PC gelassen werden, sind nicht suchtgefährdet (anders als durch das Fernsehen). Je älter die Kids bei ihrem ersten Kontakt mit dem Computer sind, desto größer wird die Gefahr. Im Gegenteil sind unsere Erfahrungen sehr positiv. Unsere 5-7 jährige Tochter fragte uns Löcher in den Bauch über die verschiedenen "Welten" der Programme (Burgen, Unterwasserwelten...), nach einer Viertelstunde am Computer war der Bewegungsdrang auf eine gezielte Weise verstärkt. Manchmal werden die Welten nachgebaut (leider auch im Garten...), manchmal wurden eigenen Ideen mit Stift oder Pinsel zu Papier gebracht, manchmal wurden Geschichten für Barbie's oder Handpuppen erfunden und gespielt. Heute mit 9 Jahren, hat sich an ihrem Verhalten nur eines geändert: der PC ist ganz selbstverständlich auch Informations-Quelle für den Sachkunde-Unterricht (andere Schulfächer sind ja sooo wenig interessant)

Hemmung des sozialen Lernens? Keine Sorge! Jeder Erfolg (und Misserfolg) wird Ihnen mitgeteilt, ob Sie es wollen oder nicht. Unsere Tochter hat durch den PC sogar etwas gelernt, was sie vorher abgelehnt hat: Einhalten von Spielregeln - und seitdem machen die Gesellschafts-Spiele Furore, die bisher ein trostloses Dasein im Regal fristeten. Seit auch Freunde einen PC besitzen, spielen die Kinder oft zusammen am PC - mit Vorliebe Programme, die nur für eine Person gedacht sind. Das fördert in hohem Maße das soziale Verhalten (Kompetenzen abstecken, Aufgaben zuordnen, Differenzen beilegen ...)

Überforderung? Heute lache ich über diese Angst. Unsere Tochter hat keine Scheu vor dem Computer (was auch schon mal zum Absturz führen kann), sie fand schon am ersten Tag Möglichkeiten in den Spielen, die mir nach mehrmaligem Testen verborgen geblieben waren, und wechselte am zweiten Tag selbständig zwischen den Programmen (außer es musste eine CD eingelegt werden, dazu war mir ihr Umgang mit den Dingen zu unbekümmert. Wir hatten eine Standard-CD im Player und für andere musste sie eben uns um Hilfe bitten). Nach einer Woche bereitete sie mir das "Speichern unter" schon vor, damit ich nicht "soviel Arbeit" habe. Nicht ich, sondern sie fand heraus, dass im MediaRack ein Klavier verborgen war und zeigte mir auch sofort, wie sie daran gekommen war. Am dritten Tag schloss sie schon ordnungsgemäß das Windows 3.11 und machte auch den Computer aus.
Ein superschlaues Kind? Nein, leider-Gott-sei-Dank nicht. Ich habe nichts anderes getan, als jede meiner Handlungen am PC zu kommentieren. Kinder sind eben unbekümmerter und lernfähiger als wir Erwachsene - und dies ist ihr Plus. Frühzeitig an den PC und seine Möglichkeiten gewöhnt, werden unsere Kinder die Arbeit am Computer als selbstverständlich ansehen und seine Möglichkeiten gezielt nutzen. Eine Fähigkeit, die für ihre Zukunft wichtig ist. 

Darüber staune ich heute: 

Und dies sind alles ganz normale Kinder und Jugendliche, die sich nur in einem von ihren Altersgenossen unterscheiden: Sie haben keine Angst vor dem PC, sie gehen selbstverständlich und unbekümmert mit ihm um! 
Natürlich muss ein prinzipielles Interesse vorliegen und wenn es zur Förderung spezieller Fähigkeiten kommen soll, so müssen diese - wie in allen anderen Lebensbereichen - vorliegen. 

Aber: Wer Wasser nur als Rinnsal kennt, der kann auch nicht Schwimmen lernen...

Andrea Pfeffer

 

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